Notfallmanagement, Krisenmanagement und BCM: die Unterschiede
Notfallmanagement bewältigt den Ausfall kritischer Prozesse mit vorbereiteten Plänen, Krisenmanagement steuert Lagen, die die ganze Organisation bedrohen, und Business Continuity Management verbindet beides mit Vorsorge und Wiederherstellung zu einem dauerhaften Managementsystem. Die Begriffe bauen aufeinander auf und unterscheiden sich vor allem in Ausmaß, Planbarkeit und Entscheidungsebene.
- Störung, Notfall, Krise und Katastrophe unterscheiden sich nach Ausmaß und Planbarkeit.
- Notfälle werden mit vorbereiteten Plänen bewältigt, Krisen mit Führung und Entscheidungen.
- BCM umfasst Vorsorge, Reaktion und Wiederherstellung als Managementsystem.
- IT-Notfallmanagement ist ein Teil davon, nicht das Ganze.
Wie unterscheiden sich Störung, Notfall, Krise und Katastrophe?
Der BSI-Standard 200-4 und die Praxis unterscheiden Ereignisse nach ihrem Ausmaß und danach, ob sie im Normalbetrieb oder nur mit einer besonderen Organisation zu bewältigen sind:
| Ereignis | Merkmal | Bewältigung |
|---|---|---|
| Störung | Kurze Unterbrechung, geringer Schaden | Im Normalbetrieb, z. B. durch IT-Support oder Instandhaltung |
| Notfall | Kritische Prozesse oder Ressourcen fallen länger als tolerierbar aus | Mit vorbereiteten Notfall- und Wiederanlaufplänen, Notfallorganisation |
| Krise | Bedroht die Organisation als Ganzes, nur teilweise planbar | Krisenstab mit Leitung, Entscheidungen unter Unsicherheit, Krisenkommunikation |
| Katastrophe | Großschadensereignis, das über die Organisation hinaus wirkt | Mit Behörden und Hilfsorganisationen, eigene Pläne greifen nur begrenzt |
Was leisten Notfall-, Krisen- und Kontinuitätsmanagement jeweils?
| Disziplin | Ziel | Typische Dokumente | Wer entscheidet |
|---|---|---|---|
| Notfallmanagement | Kritische Prozesse schnell wieder aufnehmen | Notfallhandbuch, Wiederanlaufpläne, Alarmierungslisten | Notfallteams, Notfallbeauftragte |
| Krisenmanagement | Handlungsfähigkeit der Organisation sichern | Krisenstabsordnung, Lagebild, Kommunikationsplan | Krisenstab mit Leitung |
| IT-Notfallmanagement | IT-Services innerhalb der Zielzeiten wiederherstellen | IT-Wiederanlaufpläne, Backup- und Wiederherstellungskonzept | IT-Leitung |
| Business Continuity Management | Vorsorge, Reaktion und Wiederherstellung als dauerhaftes System | BC-Politik, BIA, Strategien, Übungsprogramm, Auditberichte | Leitung, BC-Verantwortliche |
Wie greifen die Disziplinen im Ereignisfall ineinander?
- Erkennen und melden: Eine Störung wird bewertet. Überschreitet sie die festgelegten Kriterien, wird eskaliert.
- Notfall ausrufen: Die Notfallorganisation aktiviert Sofortmaßnahmen und Wiederanlaufpläne.
- Krise feststellen: Bedroht die Lage die ganze Organisation, übernimmt der Krisenstab Führung und Kommunikation.
- Wiederherstellen: Kritische Aktivitäten laufen im Notbetrieb weiter, danach folgt die Rückführung in den Normalbetrieb.
- Nachbereiten: Erkenntnisse fließen über die Managementbewertung zurück ins BCMS.
Die ISO 22301 verlangt dafür eine Reaktionsstruktur mit festgelegten Schwellen für Alarmierung und Eskalation. Wie diese aufgebaut wird, zeigt die Seite Strategien, Notfallhandbuch und Übungen.
Die Abgrenzung von Notfall-, Krisen- und Kontinuitätsmanagement ist ausführlich in Kapitel 2 des Fachbuchs „Business Continuity Management“ beschrieben.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Notfall und Krise?
Ein Notfall betrifft einzelne kritische Prozesse oder Ressourcen und wird mit vorbereiteten Plänen bewältigt. Eine Krise bedroht die Organisation als Ganzes, lässt sich nicht vollständig mit vorbereiteten Plänen lösen und erfordert Entscheidungen der Leitung im Krisenstab.
Ist IT-Notfallmanagement dasselbe wie BCM?
Nein. IT-Notfallmanagement stellt IT-Services wieder her. BCM betrachtet alle Ressourcen einer Organisation, also auch Personal, Gebäude, Lieferanten und Informationen, und gibt der IT mit der Business-Impact-Analyse vor, welche Wiederanlaufziele sie erreichen muss.