BCM-Strategien, Notfallhandbuch und Übungen

Nach der Business-Impact-Analyse legt die Organisation fest, wie sie ihre Wiederanlaufziele erreicht: mit Kontinuitätsstrategien je Ressource, einer Reaktionsstruktur aus Krisenstab und Notfallteams, dokumentierten Notfall- und Wiederanlaufplänen und einem Übungsprogramm, das die Pläne regelmäßig prüft. Die ISO 22301 regelt das in den Abschnitten 8.3 bis 8.6.

Das Wichtigste in Kürze
  • Strategien setzen dort an, wo die BIA Lücken zeigt: Personal, Standorte, IT, Lieferanten, Informationen.
  • Krisenstab entscheidet strategisch, Notfallteams setzen operativ um.
  • Ein Notfallhandbuch bündelt Alarmierung, Rollen, Kommunikation und Wiederanlaufpläne.
  • Ein ungeübter Plan ist eine Annahme: Übungen steigern sich vom Review bis zur Vollübung.

Welche Kontinuitätsstrategien gibt es?

RessourceMögliche Lösungen
PersonalVertretungsregeln, Wissensdokumentation, Schulung, Rufbereitschaft, Kooperation mit Partnern
Gebäude und ArbeitsplätzeAusweichstandorte, mobiles Arbeiten, gegenseitige Nutzung von Standorten
IT und DatenRedundante Systeme, Backups passend zur RPO, Wiederanlauf-Rechenzentrum, Notbetrieb ohne IT
LieferantenZweitlieferanten, Sicherheitsbestände, vertragliche Kontinuitätszusagen
InformationenNotfalldokumentation, die auch offline und ohne Zugriff auf Systeme verfügbar ist

Wie ist die Reaktionsstruktur aufgebaut?

Bewährt hat sich eine Aufteilung in zwei Ebenen. Der Krisenstab trifft strategische Entscheidungen, steuert die Kommunikation und gibt Ressourcen frei. Notfallteams setzen die Wiederanlaufpläne in den Fachbereichen und in der IT operativ um. Für beide Ebenen sind Mitglieder, Stellvertretungen, Erreichbarkeit und Entscheidungsbefugnisse festzulegen.

Was gehört in ein Notfallhandbuch?

  1. Geltungsbereich, Verantwortlichkeiten und Freigabe durch die Leitung,
  2. Kriterien für Alarmierung und Eskalation, Meldewege, Alarmierungslisten,
  3. Zusammensetzung, Aufgaben und Arbeitsweise von Krisenstab und Notfallteams,
  4. Kommunikation nach innen und außen: Mitarbeitende, Kunden, Behörden, Medien,
  5. Sofortmaßnahmen und Notbetrieb je kritischer Aktivität,
  6. Wiederanlaufpläne je Prozess oder IT-Service mit Reihenfolge und Abhängigkeiten,
  7. Rückführung in den Normalbetrieb, Nachbereitung und Lessons Learned.

Praxisbewährt ist ein schlankes übergeordnetes Handbuch plus kurze, ausführbare Wiederanlaufpläne je Prozess, die im Ernstfall in Minuten statt Stunden lesbar sind.

Welche Übungsarten gibt es?

ÜbungsartZielAufwand
Plan-ReviewAktualität und Vollständigkeit der Pläne prüfengering
Planbesprechung (Tabletop)Szenario am Tisch durchspielen, Lücken erkennengering bis mittel
FunktionstestTechnische Wiederherstellung prüfen, z. B. Rücksicherungmittel
StabsübungKrisenstab unter Zeitdruck an einem realistischen Szenariomittel bis hoch
VollübungNotbetrieb unter möglichst echten Bedingungenhoch

Jede Übung endet mit einer Auswertung. Die Erkenntnisse fließen in Pläne, Strategien und über die Managementbewertung in die Weiterentwicklung des BCMS.

Notfallpläne und Übungen zentral steuern

Business-Impact-Analyse, Notfallpläne, Wiederanlaufstrategien, Übungen und Nachweise in einer Plattform: Das BCMS-Modul von MGMSYS führt entlang der Anforderungen der ISO 22301, ist in Deutschland gehostet und mit Informationssicherheit (ISO 27001), Datenschutz und Risikomanagement verzahnt.

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Quellen

  1. ISO 22301:2019 Security and resilience – Business continuity management systems – Requirements (ISO)
  2. ISO 22313:2020 Guidance on the use of ISO 22301 (ISO)
  3. BSI-Standard 200-4 Business Continuity Management (BSI)
  4. Spörrer, S. (2014): Business Continuity Management. ISO 22301 und weitere Normen im Rahmen der Informationstechnologie. Edition KWV, Springer Gabler