ISO 22301 und verwandte Normen: ISO 22313, BSI 200-4, ISO 27001 im Vergleich

Die ISO 22301 ist die zertifizierbare Kernnorm für Business Continuity Management. Ergänzend gibt es Leitfäden wie ISO 22313 (Anwendung), ISO/TS 22317 (Business-Impact-Analyse) und ISO/TS 22318 (Lieferkette), für die IT die ISO/IEC 27031, in Deutschland den BSI-Standard 200-4 sowie regulatorische Pflichten aus NIS-2 und DORA.

Das Wichtigste in Kürze
  • ISO 22301 = Anforderungen (zertifizierbar); ISO 22313 = Leitfaden zur Umsetzung.
  • BSI-Standard 200-4 bietet einen stufenweisen Einstieg und ist mit ISO 22301 kompatibel.
  • ISO/IEC 27001:2022 verlangt mit den Maßnahmen 5.29 und 5.30 Kontinuität der Informationssicherheit und IKT-Bereitschaft.
  • NIS-2 (Art. 21) und DORA (Art. 11) machen Kontinuitätsvorsorge zur Pflicht.

Welche Normen gehören zur ISO-22300-Familie?

NormInhalt
ISO 22300Begriffe für Sicherheit und Resilienz
ISO 22301Anforderungen an ein BCMS (zertifizierbar)
ISO 22313Leitfaden zur Anwendung der ISO 22301 mit Empfehlungen aus der Praxis
ISO 22316Grundsätze und Merkmale organisationaler Resilienz
ISO/TS 22317Leitfaden für die Business-Impact-Analyse
ISO/TS 22318Kontinuität in der Lieferkette

ISO 22301 oder BSI-Standard 200-4?

Beide verfolgen dasselbe Ziel. Die ISO 22301 ist international anerkannt und zertifizierbar; der BSI-Standard 200-4 ist ein deutscher Leitfaden mit stufenweisem Einstieg, der sich besonders für Organisationen eignet, die mit BCM beginnen oder im IT-Grundschutz arbeiten.

KriteriumISO 22301BSI-Standard 200-4ISO/IEC 27001:2022
HerausgeberISO (international)BSI (Deutschland)ISO/IEC (international)
ArtAnforderungsnormLeitfaden/MethodikAnforderungsnorm für ISMS
ZertifizierbarJaKein eigenes ZertifikatJa
EinstiegVollständiges ManagementsystemStufen: Reaktiv-, Aufbau-, Standard-BCMSBCM nur als Teil (Maßnahmen 5.29, 5.30)
SchwerpunktGesamte OrganisationGesamte Organisation, IT-nahInformationssicherheit
Gut geeignet fürNachweis gegenüber Kunden und AufsichtEinstieg, Behörden, IT-GrundschutzOrganisationen mit ISMS

Wie hängen IT-Normen und BCM zusammen?

  • ISO/IEC 27031 beschreibt, wie IT-Services so vorbereitet werden, dass sie die Wiederanlaufziele der BIA erfüllen (IKT-Bereitschaft für Business Continuity).
  • ISO/IEC 27001:2022 enthält mit 5.29 (Informationssicherheit bei Störungen) und 5.30 (IKT-Bereitschaft für Business Continuity) direkte Schnittstellen zum BCM.

Welche Gesetze verlangen Kontinuitätsvorsorge?

  • NIS-2-Richtlinie: Art. 21 nennt unter den Risikomanagementmaßnahmen ausdrücklich die Aufrechterhaltung des Betriebs, Backup-Management, Wiederherstellung nach einem Notfall und Krisenmanagement.
  • DORA: Finanzunternehmen benötigen nach Art. 11 eine IKT-Geschäftsfortführungsleitlinie sowie Reaktions- und Wiederherstellungspläne, die regelmäßig getestet werden.
  • Kundenanforderungen: In Lieferketten, etwa Automotive oder Medizintechnik, werden Kontinuitätsnachweise zunehmend vertraglich gefordert.

Ein BCMS nach ISO 22301 schafft dafür eine gemeinsame Grundlage, auf die sich diese Anforderungen abbilden lassen.

Rechtsstand dieser Übersicht: 02.11.2026. Rechtliche Anforderungen im Einzelfall prüfen.

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Quellen

  1. ISO 22301:2019 Security and resilience – Business continuity management systems – Requirements (ISO)
  2. ISO 22313:2020 Guidance on the use of ISO 22301 (ISO)
  3. BSI-Standard 200-4 Business Continuity Management (BSI)
  4. Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS-2), Art. 21 (EUR-Lex)
  5. Verordnung (EU) 2022/2554 (DORA), Art. 11 (EUR-Lex)
  6. Spörrer, S. (2014): Business Continuity Management. ISO 22301 und weitere Normen im Rahmen der Informationstechnologie. Edition KWV, Springer Gabler